Juliusturm-Pokal-Turnier

By 1. Oktober 2018Boxen, Fußball

von René Deutschmann

Peter Miesner, Präsident des Berliner Boxverbandes rief nach Spandau zum traditionellen Juliusturm-Pokal Turnier. Welcher Präsident eines Fachverbandes setzt sich so ein mit echter praktischer Arbeit wie unser Peter? Fast 4 Jahrzehnte prägt er den Boxverband. Mittlerweile fühlt es sich so an , als ob er die ganze Jugendarbeit in Berlin organisiert. Juliusturmturnier, HAVelcup, ladycup ü40 boxen, Metrevelli Freilichtboxem, Spandauer und Berliner Meisterschaft. Mindestens 10 Turniere für Berliner und auswärtige Boxer organisiert dieser Präsident. Er schickt die Kampflisten die Ausschreibungen heraus, ist Ringsprecher in einer Person. Nebenbei hat er noch die Kampfprotokolle Punktrichterzettel; Handschuhausgabe und Eintrittsgelder organisiert. Was für ein Mamutwerk. Viele  Trainer schimpfen. 23 Kämpfe am Samstag, 30 Kämpfe am Sonntag. Nur einer nicht der Peter Miesner – was treibt ihn an? Das kann nur Liebe zum Boxsport sein.

Teilweise drehen die eigenen Sekundanten nach einen vermeintlichen Fehlurteil durch.

„Ich boxe hier nicht mehr in Spandau“ zitiere ich einen Coach, der selber eine gewisse Nähe zum Spandauer Boxsport hat. Wo will er den in der Zukunft boxen lassen, wenn Peter nicht mindestens 10 Events organisiert.

Mein Respekt vor den Punktrichtern. Sie müssen sich 20 Kämpfe mit jeweils 3 Runden bewerten, immer die Nerven behalten und versuchen objektiv die Leistung zu bewerten. Diese Punktrichter fällen in 90 % der Fälle immer das richtige Urteil . Anders wie beim Profiboxen, wo es um das wirtschaftliche Überleben bei den Berufsboxern und Promotern geht, sitzen diese Punktrichter für 20,-€ mindestens 8 Stunden am Ring und müssen sich teilweise von Zuschauern und vor allem Trainern beleidigen lassen. Natürlich gibt es Punktrichter, die schon sehr lange im Geschäft sind und im Zweifel immer ihren Kämpfer vorne haben. Aber einer der ältesten Recken von NSF namentlich hier nicht benannt, hat mich schon im Ring begleitet. Das ist 30 Jahre her!

Natürlich gibt es Vorlieben. Der Verein, der Boxstil, Angriffs oder Verteidigungsboxer etc. etc., aber es sind mindestens 3 Punktrichter und ein Ringrichter im Ring und nur in 10% der Fälle gibt es 2 Ringrichter die für den einen Kämpfer werten . 20,-€ Aufwandsentschädigung durch 8 Stunden sind ca. 2,5 Euro pro Stunde. Das ist Sklavenarbeit. Bei großzügigen Veranstaltern wie Peter Miesner bekommen das Kampfgericht noch etwas zu Trinken, aber die meisten Punktrichter zahlen sogar Ihre Verpflegung noch selber.

Ich schäme mich für Trainer , die völlig durchdrehen am Ring, wenn sie eine knappe Niederlage „erleiden“. Was für ein Vorbild sind sie für Ihre Sportler. Es gab schon Kämpfer die bei den olympischen Spielen einen Sitzstreik abhielten , weil sie sich ungerecht behandelt haben. Was für ein Bild macht das noch bei den zum Teil heißblütigen Anhang und Verwandtschaft des Kämpfers. Ich würde es anders herum drehen. Meistens sind diese peinlichen Trainer diejenigen die als Sportler selbst nichts erreicht haben oder sie trainieren schlicht falsch oder zu wenig . Oder sie kompensieren andere mir unbekannte Defizite.

Wir konnten am Samstag den 29.09.2018 in den Ring unsere Trainingsarbeit vorstellen:

„Manne“ ein aus dem Sowjetreich emgrierter 19 jähriger Kämpfer erledigte die Punktrichterarbeit im Handumdrehen und konnte durch technischen K.O. RSC gegen einen kleinen untersetzen afghanischen Kämpfer von den Schöneberger Boxfreunden um Andy Kleiber und Alfons erzielen.

Hiernach ereilte uns ein knappe Entscheidung gegen unseren Aykan Yilmaz. Aykan ist ein Bewegungstalent. Er hatte bis vor einen Jahr immer im Training mit vor allem Pausen geglänzt. Immer mit einen verschmitzen Lächeln konnte man ihn gar nicht böse sein. Allerdings im Sommer boxte er in Bayern im Stile eines Konterboxers eine tolle Leistung herunter und Trainer Udo attestiert Aykan. Er trainniert nicht 100% immer volle Pulle aber mindestens schon bei 60%. Wenn er noch die letzten Prozentpunkte raufsetzt kann er auch den ungestümen Gegner von Koryo klarer schlagen.

Auch Udo Ziebarth empfand das Urteil als ungerecht. 2 zu 1 gegen unseren Aykan – aber er trägt es mit Fassung und natürlich sieht man als Trainer immer nur seinen Kämpfer schlagen und kann gar nicht objektiv den Kampf bewerten. Aykan hat teilweise eine gute Figur im Rückwärtsgang geboxt, aber der tapfere Koryo Mann hat immer wieder in der Ringecke unseren Aykan gestellt und auch den ein oder anderen Treffer gesetzt.

Im letzten Kampf unser Becht gegen Daniel von Hertha. Der erwartetet Höhepunkt war es nun wahrlich nicht. Die beiden Talente mühten sich ab und eine Zuschauerin kommentierte. „Ich mag dieses unschöne Boxen nicht“ und schaute mehr auf ihren Smartphone. Becht konnte einfach nicht seine Trainingsleistungen umsetzen. Eigentlich war alles falsch was er machte, aber sein Siegeswille war da, konditionell war er auch gut eingestellt und glücklicherweise kam ein 2 zu 1 für unseren Protagonisten heraus. Die stürmischen Einwände der Hertha-Ecke hatte ich schon beschrieben.

Trainer Arthur war ein guter  Boxer. er konnte Weltklasseathleten wie Oktay Urkal als Amateur schlagen und auch eine ansehnliche Profikarriere vorweisen. Aber sein Temperament ist mittlerweile für Herha BSC ein Problem und Peer Mock-Stümer als Vorsitzender der Boxabteilung und Vizepräsident des Berliner Boxverbandes muss Konsequenzen ziehen.

Ein derartiges Verhalten bei den Berufsboxern würde andere Konsequenzen nach sich ziehen. Dieses Treiben wird schon zu lange toleriert.