GESCHICHTSBUCH RAPIDE BERLIN

Zur Namensgebung des SK Rapid (e) Wien

Wie wohl den meisten Forza Rapid-Lesern bekannt ist, gilt der 8. Januar 1899 als offizielles Gründungsdatum des Sportclub Rapid.

Ein eher ein unbekanntes Kapitel in der Historie von Rapid ist jedoch, wie der Verein zum Namen Rapid (lat. reißend, schnell) gekommen ist.

Um diese Frage zu beantworten, muss man über die Grenze nach Deutschland, genauer gesagt nach Berlin, blicken und dort das Rad der Zeit ein wenig zurückdrehen. Und zwar um mehr als 125 Jahre. Am 1. April des Jahres 1893, also knapp sechs Jahre vor der Gründung des Sportklubs Rapid, entschlossen sich einige 17-jährige fußballbegeisterte Schüler der Friedrich-Werderschen-Oberrealschule in Berlin, einen Fußballverein zu gründen. Der Verein wurde ,,Berliner Tor- und Fußballclub Rapide” (BFC Rapide) getauft und gehörte zu den ersten Fußballvereinen Deutschlands.

Es gibt leider keine exakte Überlieferung, weshalb sich die Jugendlichen damals für den Namen Rapide entschieden, jedoch ist schriftlich und mündlich bestätigt, dass diese Namensgebung auch auf unseren Sportclub Rapid großen Einfluss hatte. Vor dessen Gründung im Jahre 1899 wurde nämlich eine offizielle Anfrage aus Wien nach Berlin geschickt, in der man um die Verwendung des Namens Rapide auch für den Sportclub Rapid (e) bat. In der Vereinszeitung zum 100-jahrigen Jubiläum des BFC Rapide 1893 im Jahre 1993 ist dazu vermerkt: ,,Es dürfte interessieren, dass der berühmte Wiener Meisterclub Rapid Wien, ehe er sich seinen Namen gab, bei Rapide 1893 deshalb anfragte. Der damalige Vorstand des Berliner Tor- und Fußballclub Rapide hatte keinen Einwand gegen einen namensverwandten Club in Wien, und somit war der Weg frei für den Namen Sportclub Rapid (e). Allerdings entschied man sich in Wien, auf das ,,e“ am Ende zu verzichten, und somit hatte der Verein Sportklub Rapid seinen Namen gefunden. In den ersten Jahren nach der Gründung herrschte noch enger Kontakt zwischen den ,,Rapidlern“ aus Wien und jenen aus Berlin, man beglückwünschte sich unter anderem gegenseitig zu den Stiftungsfesten und den erreichten Erfolgen. Über die Jahre verlor man sich dann aber immer mehr aus den Augen, und während die Wiener Rapidler zum österreichischen Rekordmeister aufstiegen und zu internationaler Anerkennung kamen, mussten die Berliner Rapidler kleinere Brötchen backen und turbulente Zeiten überstehen.

Seine größten Erfolge feierte der Verein, der 1950 mit dem SC Wedding fusionierte und fortan unter dem Namen S.C. Rapide Wedding 1893 spielte, zwischen 1958 und 1974, als man zweimal Berliner Amateurmeister wurde und einmal sogar den Berliner Pokal gewinnen konnte. Jahre später trugen dann in ihren Jugendjahren auch die späteren Fußballgrößen Niko und Robert Kovac das Trikot von S.C. Rapide Wedding 1893, ehe es im Jahr 2001 zu einer weiteren Fusion kam: Der Verein schloss sich mit dem SV Nord-Nordstern 1896 zusammen – daraus entstand der SV Nord Wedding 1893. Folge dessen trägt der Verein, der mitverantwortlich dafür ist, dass Rapid Wien seinen Namen trägt, heute selbst nicht mehr die Bezeichnung Rapide im Vereinsnamen. lm Vereinsheim des SV Nord Wedding in der Kühnemannstraße 52-70 im Berliner Stadtteil Wedding ist die Historie aber auch heute noch allgegenwärtig. Der damalige 1.Vorsitzende Klaus Köpke und der heutige 1.Vorsitzende des Vereins, Costantino Lombardo sprechen gerne über die traditionsreiche Rapid (e) Vergangenheit des Vereins, und die Fans verstehen sich nach wie vor als Rapidler. Allerdings müssen sie sportlich schwere Zeiten durchstehen: Aktuell spielt der SV Nord Wedding nämlich auf einem attraktiven Kunstrasenplatz in der Kreisliga A (neunte Liga), kämpft dort, nicht ganz unbeschwert um das sportliche und vor allem um das finanzielle Überleben. Nichtsdestotrotz würden sich die Berliner Rapidler lieber ein Wiederaufleben der Kontakte zwischen den beiden Clubs freuen.

Vielleicht wäre spätestens im Jahr 2018 ein guter Anlass dafür – denn dann feiert der Berliner Traditions-Verein nämlich seinen 125. Geburtstag.

ALBERT OSCHEP – Rapid Wien