Der lange Weg nach Hause

By 17. Juli 2019Boxen, Fußball

Das Abenteuer in Würzburg fühlte sich an wie eine zweitägige Klassenfahrt. Eingezwängt in zwei Busse, 600 km nach Würzburg und nach getaner Arbeit 600 km wieder zurück.
Die Trainer sind abgekämpft, aber voller Adrenalin, durch die Kämpfe der Vertreter Berlins.

 

13.07.2019

Ankunft im Hotel in Würzburg. Lockeres Training im hoteleigenen Vorplatz.
Erster Blick auf das Kampfareal. Das Festzelt erwartet uns. Morgen ist es soweit.

 

14.07.2019

Das Event ist vorbereitet. 3000 Dirndl- und Lederhosenträger sind in dem Festzelt zusammengekommen um die Kampfvereinigung der Berliner und mittlerweile auch nicht nur die Würzburger Kickers, sondern die Kämpfer aus ganz Unterfranken anzufeuern.

Die Nachricht kam wie erwartet beim Gastgeber an, dass der Nord Wedding mit Unterstützung aus Berlin anrückt. Deswegen mobilisierte der Gastgeber auch seine befreundeten Vereine und zog mutige Kämpfer ran.

 

Kurzbiographie:

Karl Heinz Wolfstaedter ist seit 50 Jahren Funktionär in Würzburg und Vizepräsident des Bayerischen Boxverbandes. Mit seinen über 70 Jahren ist er ein Organisationstalent. Ein Baum von einem Mann. 2 Meter groß, ein echtes Schwergewicht. Auch heute am Kampftag ist er als erster im Festzelt. Es ist 7:00 Uhr. Mit Karl Heinz muss man um jedes Hendl (Brathähnchen) feilschen, aber er ist ein fairer Verhandlungspartner.

Peter Miesner, Träger des Bundesverdienstkreuzes ist seit 1986 Präsident des Berliner Boxverbandes. Auch er ist über 70 Jahre alt und leitet die Geschicke in Berlin und organisiert ganz nebenbei die Deutschen Boxmeisterschaften im Kuppelsaal. Welche in wenigen Wochen in Berlin ausgetragen werden. Auch die Veranstaltung der Elite Damen Kämpfe hat er organisiert.

Wir können froh sein, solche wichtigen Persönlichkeiten in unserem geliebten Boxsport zu haben, welche alles für die Vereine und Kämpfer tun.

Peter Mock-Stürmer Boxabteilungsvorsitzender des Hertha BSC und Berliner Boxverband Vizepräsident, wird schon Angst und Bange, wenn irgendwann Peter Miesner das Amt niederlegt. Dann gehen schlagartig 5 Jahrzehnte Boxerfahrung.

Hinter den Kulissen:

Udo Ziebarth hatte selbstverständlich seine abgesandten Würzburg Kämpfer Selcuk, Aykhan und Alexander, welche auch für die Deutschen Meisterschaften nominiert sind mit Wochenendtrainingsplänen ausgestattet.

 

Das Kampfgeschehen:

Alihan Bazleev

Alihan Bazleev hochtalentierter SBC Boxer, boxte in einem ausgezeichneten „Matrix Stil“,nach der Art von Lomachenko seinen Kontrahenten an die Wand und siegte klar 3:0.

Mowafak Melli

Mowafak Melli Boxer des SV Nord Wedding, debütierte in seinem ersten Wertungskampf gegen einen erfahrenen Gegner. Melli setzte zwei Runden lang die Taktik des Trainergespanns fast zu 100 Prozent um. Allerdings brach er konditionell in der dritten Runde unter dem Schlaghagel des Gegners ein. Nach Regeln des AIBA müsste Melli mit 2:1 gewinnen, aber das Kampfgericht entschied andersherum.

Melli zeigte sich professionell und nahm die Entscheidung an. Das Würzburger Publikum zollte seinem beherzten Kampf Respekt.

Anja Stanojlovic

Anja Boxerin des Stahl Schöneweide überraschte die 30 jährige, sehr erfahrene Boxerin Sabrina Borst. Sabrina hat unzählige Ringschlachten bestritten, aber der offensive Stahl Schöneweide Kampfstil, ließ der Lokalmatadorin keine Chance zur Entfaltung.

Das Würzburger Publikum war enttäuscht, dass die hochdekorierte Sabrina gegen eine sehr gut kämpfende und gutaussehende Gegnerin keinen Stich sah.
Das Kampfgericht urteilte 2:1 für unsere Anja.

Tina Asmussen

Tina unsere Schweizerin kämpfte gegen eine Nationalmannschaftsboxerin aus Deutschland. Es war ein hochklassiges Match. Tina ist nicht nur Kämpferin, sondern Sie hat auch bei Udo Ziebarth das Trainerwesen gelernt.

Nach dem Kampf sagte Sie zu Udo, dass Sie nicht für das Festzeltboxen gemacht worden ist. Sie unterlag unverständlich 2:1. Sogar das Würzburger Publikum buhte nun, da unsere Tina eigentlich 3:0 gewinnen hätte müssen. Sogar Karl-Heinz entschuldigte sich bei uns und gab uns eine weitere Hendl Marke.

Amin Kaziev

Amin ist ein 31 jähriger Boxspätstarter. Gebürtig in Dagestan. Nur der Trainer vom SBC Ewgenij versteht den Tiger von Dagestan. Sei es die Sprache und seine Eigenart.  Der Tiger zeigte trotz nachlassender Kondition einen überzeugenden 3:0 Sieg. Amin sagte nach dem Kampf im Interview, dass er Marathon läuft, aber das Festzeltboxen bringt ihn mehr an seine Grenzen.

 

Zwischenfazit I

Die ersten Kämpfe wurden sehr ausgeglichen bestritten. Kurz nach der Pause wurde aber der Mut der Mannschaft gebrochen.

 

Imran Bazaev

Imran ist 19 Jahre alt. Er ist ein richtiges Schwergewichtstalent. Er gestaltete seinen Kampf zunächst sehr souverän. Aber dann wurde er von seinem erfahrenen Kontrahenten mit einer harten Rechten getroffen.

Das Schwergewicht hat leider seine eigenen Regeln. Da reicht schon ein Schlag um einen Kampf zu verändern. Der Ringrichter urteilte sofort RSC unter Protest von Imran. Jetzt noch eine schwere Hand und Imran müsste unter Umständen eine K.O.Sperre riskieren.

Imran ist ein Hoffnungsträger von Peter Miesner bei den Deutschen Meisterschaften. Wir können also glücklich sein, dass der Kampfrichter den Kampf als RSC wertete. Imran wird aber sehr wahrscheinlich gestärkt aus dieser Niederlage mit seinem Trainer Ewgenij zurückkommen.

Lukas Schmidt

Lukas von Team Olympia treibt mit schweren Beinen seinen Gegner drei Runden vor sich her. Aber ihm fehlte die gewohnte Spritzigkeit. Das stellen des Gegners klappte nicht.
Seine erste Niederlage nach einer Konstant starken boxerischen Entwicklung.

Schoib

Schoib, der Schützling von Udo und der Animateur während der Fahrt verfügt über einen Naturpunch in beiden Fäusten. Ein Cut am Ende der zweiten Runde führt aber zu einer Verletzungsniederlage. Nachfragen unseres Trainerteams, ob nicht die Punkte ausgezählt werden müssten, wurde vom Supervisor abgelehnt. Dadurch, dass die Runde noch nicht beendet worden war.

(Der Supervisor ist im olympischen Boxen seit den Rio-Spielen weisungsbefugt. Und wenn die Wettkampfbestimmungen etwas anderes sagen, gilt das Boxgesetz, dass der Supervisor immer das letzte Wort hat.)

Als guter Gast protestierten wir auch gegen diese Entscheidung nicht und kümmerten uns lieber um die Augenverletzung des Kämpfers.

 

 

Zwischenfazit II

Zwei Niederlagen welche für uns unverständlich waren.

 

Leon Proband

Leon nach erfolgter Operation im Vorfeld des Turniers konnte leider nichts gegen seinen Gegner ausrichten. Er wurde wegen Abduckens disqualifiziert.

Bachty konnte auch nicht überzeugen und ließ sich nahezu ohne Gegenwehr boxen.

Naydin Stojano

Auch Naydin konnte sich dem Niederlagensog nicht entziehen. Nach monatelanger Kampfpause, konnte er seine Kampfkunst nicht abrufen. Er war zu schwerfällig. Gelegentlich sah man das Können, des ehemaligen Ligaboxers des Jahres 2018, aber es reichte heute nicht. Er verlor 3:0.

Jenny Kapchinus

Jenny unsere Superschwergewichtlerin hatte leider keinen Gegner mehr in Würzburg. Sie war aber eine sehr große Hilfe für sämtliche Trainer.

Mangels Trainingsbetrieb während der Sommerpause in Spandau, wird Sie als Dankeschön für ihre gute Arbeit, auf dem Gebiet der Athletik von Udo vorbereitet.

Besonderes

Auch der Betreuer Torsten, sekundierte nicht nur Lukas, sondern leistete im Betreuungsstab diverse Hilfestellungen. Des Weiteren fuhr er uns als Fahrer sicher zurück.

Fazit

Die Gesamtniederlage trübte keineswegs die positive Stimmung der Mannschaft. Dieses Turnier wird jeden Kämpfer in seiner Entwicklung weiterhelfen. Ob er nun gewonnen oder verloren hat. An Erfahrung hat er definitiv gewonnen.

Uli Junger, daheimgebliebener Trainer des SV Nord Wedding pflegt immer in solchen Momenten zu sagen: “Mehr und besser trainieren Leute“!

Ich danke Rene für den ausführlichen Bericht aus Würzburg. Möget ihr mir verzeihen, wenn ich einige Kämpfernamen falsch geschrieben habe.

Euer Levo