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Stiefkind soziale Nachhaltigkeit

By | Boxen, Fußball

Eigentlich ist er ein guter Junge. Adem ist 18 Jahre alt und wohnt in Berlin. Dort geht er tagsüber in die Schule oder arbeiten und abends macht er meistens Sport. Er boxt. Wenn die Häufigkeit der Verwendung bestimmter Wörter Rückschluss darauf gibt, ob die Person, die die Wörter ausspricht, diese Wörter besonders mag bzw. nicht mag, dann ist Adems Lieblingswort ziemlich eindeutig: Opfer. Denn Adem sagt Opfer in jedem zweiten Satz und liegt damit hinsichtlich der Häufigkeit auf demselben Niveau wie seine Boxkollegen. Adems Verein ist der SV Nord Wedding. Mit ihm trainieren viele Jugendliche in Adems Alter. Die meisten sind Türken, doch es gibt auch Kurden, Palästinenser, Libanesen, Russen, Albaner, Kasachen und sogar ein paar Deutsche. Apropos Deutsche. Der Trainer des Vereins ist René Deutschmann. Renés Mutter ist Deutsche, sein Vater Türke. Es klingt wie ein kleiner Streich des Schicksals, dass der Trainer eines Weddingers Boxvereins ausgerechnet Deutschmann mit Nachnamen heißt. René ist 40 Jahre alt, geschieden und hat zwei Kinder. Außerdem ist er beruflich ziemlich erfolgreich. In seiner Firma berät der gelernte Bankkaufmann Mediziner. Und dies so einträglich, dass er sich einen guten Lebensstandard leisten kann, welcher unter anderem an seiner Wohnung abzulesen ist. Eine 180 Quadratmeter große Wohnung im teuren Prenzlauer Berg. Für Adem ist Renés Wohnung „total krass und von der Dachterrasse kannst du über die ganze Stadt gucken.“ Für viele im Boxverein ist René „total reich“. Soziale Dimension im Abseits
Die Geschichte von René, Adem und dem Weddinger Boxverein ist eine Geschichte über soziale Nachhaltigkeit. Leider erscheint der Begriff Nachhaltigkeit mit zunehmender Popularität und damit einhergehend häufiger Verwendung immer diffuser. „Nach deutschem Verständnis umfasst Nachhaltigkeit oder Zukunftsfähigkeit zunächst drei Säulen, die ökonomische, die soziale und die ökologische“, erklärt Joachim H. Spangenberg, Vizepräsident des Sustainable Europe Research Institut in Wien. Die von der ehemaligen norwegischen Ministerpräsidentin Gro Harlem Brundtland geleitete UN-Kommission für Umwelt und Entwicklung beschrieb 1987 unter „nachhaltiger Entwicklung“ einen Zustand, der „den Bedürfnissen der heutigen Generation entspricht, ohne die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen und ihren Lebensstil zu wählen.“ Während sich diese Maxime in der ökonomischen und ökologischen Dimension von Nachhaltigkeit einen festen Platz erobert hat, hinkt die soziale Dimension deutlich hinterher. Doch was ist „soziale Nachhaltigkeit“? Viele Unternehmen beschränken „soziale  Nachhaltigkeit“ auf die Produktionsbedingungen bei der Herstellung ihrer Produkte und stellen sich Fragen wie: Werden gerechte Löhne gezahlt? Wie zufrieden sind die Mitarbeiter? Welchen gesundheitlichen Risiken sind sie ausgesetzt? Gerade für Verbraucher sind diese Sozialindikatoren wichtige Entscheidungshilfen. Doch soziale Nachhaltigkeit ist mehr. „Oberziel der sozialen Nachhaltigkeit ist die Sicherung des gesellschaftlichen Zusammenhalts“, erklärt Spangenberg. Sozialer Zusammenhalt ist das Band, das aus Individuen eine Gemeinschaft formt. Für den Europarat ist sozialer Zusammenhalt: „Die Fähigkeit einer Gesellschaft, das Wohlergehen aller ihrer Mitglieder zu gewährleisten, Diskrepanzen zu verringern und Polarisierung zu vermeiden. Eine zusammenhaltende Gesellschaft ist eine unterstützende Gesellschaft von freien Individuen, welche diese Ziel nach demokratischem Verständnis verfolgen.“ Dabei ist der „soziale Kitt“ genau das, was in den westlichen Demokratien mit ihrem ausgeprägten Individualismus verloren gegangen zu scheint. Der Münchener Soziologe Ulrich Beck gab mit seinem Buch „Risikogesellschaft“ (1986) und der darin formulierten „Individualisierungsthese“ diesem ausgeprägten Individualismus einen wissenschaftlichen Rahmen. Im Zentrum der Individualisierungsthese steht die Feststellung, dass sich tradierte Großgruppen- oder Klassenmilieus auflösen oder zumindest an Bedeutung verlieren. Auch die traditionellen Familienbande werden zunehmend gelockert. Individuen sind für ihre Lebensgestaltung mehr und mehr selbst verantwortlich. Dies bringt möglicherweise Chancen mit sich und stellt einen Freiheitsgewinn dar, der die Menschen aber auch mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Kritiker werfen den Individualisierungstheoretikern vor, dass Individualisierung keineswegs eine Erscheinung seit den 80er Jahren ist. Zu Recht, denn Prozesse zur Loslösung aus tradierten  Zusammenhängen ist eine Grundtendenz der modernen Gesellschaft. Es ist jedoch ein Verdienst Becks, die moderne Welt in eingängige Begriffe zu fassen. Dabei bereitete der ausgeprägte Individualismus nicht nur nur den Soziologen Sorgenfalten. Dies ist wohl auch ein Grund, warum die Studien des US-amerikanischen Soziologen Robert D. Putnam in Deutschland und anderen westlichen Nationen in den 90er Jahren als „bahnbrechender Durchbruch“ gefeiert wurden. Denn nach Gesellschaften mit Gemeinschaftsverlust folgt nicht unwiederbringlich der Untergang des Okzidents, sondern es können neue, sogar bessere Gesellschaften mit mehr Gemeinschaftsgefühl entstehen. Eine solche „bessere“ Gesellschaft kann die Bürgergesellschaft sein. Die Bürgergesellschaft ist eine aktive
Gesellschaft, in der sich ein großer Teil der Gesellschaft politisch einmischt, Mitverantwortung übernimmt, Solidarität praktiziert oder sich kurzum gesellschaftlich engagiert. Die Grundvoraussetzung einer solchen Bürgergesellschaft ist Sozialkapital. Ein Begriff, der es zu einiger Berühmtheit geschafft hat. „Nicht nur das ökonomische Kapital, sondern ebenso das ,soziale Kapital‘ entscheidet über die Zukunftsfähigkeit Deutschlands“, schrieb der Münchener Sozialpsychologe Heiner Keupp im Jahre 2000 in seinem Buch „Eine Gesellschaft der Ichlinge?“. Sozialkapital ist die Fähigkeit und Bereitschaft von Mitgliedern einer Gesellschaft  zusammenzuarbeiten.
„Ebenso wie andere Formen von Kapital auch, ist Sozialkapital produktiv. Es macht das Erreichen bestimmter Ziele möglich, welche in seiner Abwesenheit nicht erreichbar sein würden. Zum Beispiel, eine Gruppe, in welcher die Mitglieder Vertrauenswürdigkeit zeigen und in sich gegenseitig umfangreiches Vertrauen setzen, wird fähig sein, viel mehr zu schaffen als eine vergleichbare Gruppe, in der Vertrauenswürdigkeit und Vertrauen fehlen“, so beschreibt es Putnam.
Sozialkapitalist Deutschmann René Deutschmann ist ein Sozialkapitalist. Denn durch sein bürgerschaftliches Engagement wird „das Erreichen bestimmter Ziele möglich“, so wie es Putnam formulierte. Das Ziel von Pjeter Domgjonas, ebenfalls ein Weddinger
Boxer, und seiner Familie war es, hier in Deutschland zu bleiben.
Die Domgjonas kommen aus dem Kosovo und sollten abgeschoben werden. Nur dem Einschreiten des Vereins SV Nord Wedding ist es zu verdanken, dass die Ausländerbehörde dieses Vorhaben nicht in die Tat umgesetzt hat. Der Verein konnte mit dem Hinweis darauf, dass Pjeter immerhin deutscher Jugendmeister ist, punkten. Adems Ziel ist es Profiboxer zu werden, so wie für viele andere Jugendliche im Verein auch. Ob er es wirklich wird, ist unklar. Aber dass dieses Ziel gar nicht so unerreichbar ist, hat Ebu gezeigt. Ebubekir (Ebu) Bulut hat auch mal bei René trainiert. René hat ihn als neunjährigen Jungen kennen gelernt. Damals kam er mit seinem Bruder zum Boxen in die Weddinger Turnhalle in der Nähe des Einkaufszentrums Gesundbrunnen.  Mittlerweile ist Ebu Mitte Zwanzig und Profiboxer. Er hat es sogar zu einem Wikipedia-Eintrag samt Link auf einen Presseartikel geschafft. Ab und zu schaut er bei seinem alten Verein und Trainer vorbei. Dann wird er von allen Kindern und Jugendlichen in der Turnhalle ehrfürchtig und freudig begrüßt. Allein mit dem Boxen kann Ebubekihr seinen Lebensunterhalt noch nicht bestreiten, weshalb der Türke tagsüber immer noch in der elterlichen Bäckerei aushilft. Aber für einen Kampf bekommt Ebu mehrere Tausend Euro. So erzählen es sich zumindest die Jugendlichen in der Kabine und es wird deutlich, dass mehrere Tausend Euro für sie richtig viel Geld sind. Realitätsnäher sind für Profiboxer am Anfang ihrer Karriere eher 400 Euro pro Runde. Davon müssen noch Trainer, Betreuer und Veranstalter gezahlt werden, so dass von den 400 Euro vielleicht 100 Euro beim Boxer verbleiben. Das bürgerschaftliche Engagement Renés und anderer Trainer beim SV
Nord Wedding hat etwas mit Nachhaltigkeit zu tun. Auch wenn sich „der Zusammenhang für viele nicht unmittelbar erschließen mag“, erklärt Dr. Volker Hauff, Vorsitzender des Rates für Nachhaltige Entwicklung. Denn bei Nachhaltigkeit gehe es um nichts Geringeres als die Zukunftsfähigkeit unserer Gesellschaft. Für heutige und künftige Generationen sind ein intaktes Gemeinwesen und eigene Gestaltungsspielräume zu sichern. Zu einem intakten Gemeinwesen zählt die Begrenzung von Kriminalität. Bürgerschaftliches Engagement entlastet den Staat bzw. übernimmt Aufgaben für das Gemeinwesen, die der Staat allein nicht ausreichend lösen kann. So betreibt René Deutschmann Kriminalitätsprävention, auch wenn er es so sicherlich nicht nennen würde. Soziale Gerechtigkeit. Die Aufgaben der sozialen Nachhaltigkeit sind vielfältig und umfassen nach dem Verständnis der Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages die Gewährleistung sozialer Sicherheit, Umsetzung von Chancengleichheit und Förderung von sozialer Gerechtigkeit. Auch Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen sieht die soziale Komponente von Nachhaltigkeit in sozialer Gerechtigkeit: „Nachhaltigkeit verbindet wirtschaftliche Leistungsfähigkeit mit ökologischer Verantwortung und sozialer Gerechtigkeit.“ Die vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten des Begriffes soziale Gerechtigkeit erlauben Politiker aller Couleur seine
häufige Verwendung. Eine Kurzformel vom Begriff „Gerechtigkeit“ geht auf den römischen Juristen Ulpian zurück und beinhaltet „Jedem das Seine zugestehen“ (suum cuique tribuere). Im Laufe der Jahrhunderte hat sich das Verständnis von (sozialer) Gerechtigkeit gewandelt
und erweitert. Die Bertelsmann Stiftung hat in ihrer Umfrage zum Thema soziale Gerechtigkeit in Deutschland 2007 den schillernden Begriff in die Teilbereiche Verteilungs-, Chancen-, Leistungs-, Generationen- und Familiengerechtigkeit untergliedert. Für die deutschen Bürger stehen Chancengerechtigkeit und Chancengleichheit im Mittelpunkt des Gerechtigkeitsverständnisses. Denn Bildung ist heute mehr denn je die Eintrittskarte in die Erwerbsarbeit und diese ermöglicht in den meisten Fällen eine Teilhabe an der Gesellschaft. Dabei sind die Chancenungleichheiten im Bildungssystem nicht erst ein Thema seit den Pisa-Studien. Bereits Luther trat für die soziale Chancengleichheit im Bildungssystem ein, indem er forderte, die Obrigkeit müsse durch Stipendien oder auch mit Hilfe von Kirchengütern Kindern aus schwachen sozialen Verhältnissen helfen, eine Schulausbildung absolvieren zu können. „Ist der Vater arm, so helfe man mit Kirchengütern aus.“ Ohne Bildungschancen keine
Chancengerechtigkeit. Es erstaunt nicht, dass die deutsche Bevölkerung laut der Umfrage der Bertelsmann Stiftung in einer   Ausbildungsplatzgarantie für alle Schulabgänger mit großem Abstand die wichtigste Maßnahme für mehr Chancengerechtigkeit in
Deutschland sehen. Adem hat seine Chance. Er arbeitet nämlich in Renés Firma und zwar von Mittwoch bis Freitag. An den anderen
Wochentag geht er in die Schule und holt seinen erweiterten Hauptschulabschluss nach. Als Adem bei René einstieg, hatte er keinen Schulabschluss. Während des Praktikums hat er den Hauptschulabschluss bereits geschafft. Als Perspektive sieht Adem für sich sogar den Realschulabschluss. Das Praktikum ermöglicht Adem Teilhabe. Teilhabe an der Erwerbsarbeit, auch wenn die Bezahlung noch gering ist. „Natürlich würde ich gern mehr Geld verdienen“, sagt Adem.
„Aber das wird schon irgendwann. Ich arbeite beim Boxtraining und auch bei meinem Praktikum darauf hin.“ René ist mit seinem Mitarbeiter ganz zufrieden und freut sich über dessen positive Entwicklung. Kein Wunder, denn eigentlich ist er ein guter Junge.

Beitrag aus Vertriebmedia
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SC Minerva: Nord Wedding

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Zwei Spiele, zwei Siege!
Drei echte Berliner Legenden und absolute Traditionsvereine trafen am Sonntag aufeinander. Unsere #32er hatten mit dem BFC Germania, Deutschlands ältesten Verein zu Gast und unsere #Erste  spielte gegen den gleichaltrigen SC Minerva 1893. Das sind einfach mal 380 Jahre Berliner Fussballgeschichte! Wahnsinn!!!! und das in Zeiten wo Plastikclubs und Ölscheiche Hochkonjunktur haben!!

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Nord Wedding: Marienfelde II

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Der Zauber im Oktober, ist im November auch bloß Staub aus vergangenen Tagen. Durch bauliche Maßnahmen auf dem Werner Kluge Sportplatz, sind die #JungsVonnerPanke erstmal gezwungen ihre Spiele sowie das Training, woanders zu bestreiten. So kam es das wir am Sonntag auf der benachbarten Sportanlage Gustav Böß unsere „Heimspiele“ austragen mussten. Im Prinzip ist es natürlich egal auf welchem Ground man seine Punkte holt, aber zu Hause ist es halt am schönsten.

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Erst Wahnsinn, dann Herbstfest mit Home of Jobs

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Mission 9 Punkte! Aber wie … Wahnsinn! Man könnte meinen unsere Boxabteilung war am Start. Hart gekämpft, böse angezählt, leicht am taumeln und am Ende trotzdem den Lucky Punch gesetzt! Wer’s nich gesehen hat, der darf sich jetzt schön in den Allerwertesten beißen!!

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Das Erlernen der Basics …

By | Boxen, Fußball

… also die Grundschulung im frühen Jugendalter ist beim Boxen ernorm wichtig. Die Begeisterung der Jugendlichen am Boxen in unserem Verein ist groß und wie man sieht, der Winter naht und die Trainingshalle ist voll.